Die Indikation zur Kolostoma-Anlage wird in ca. 70% der Fälle aufgrund maligner Tumoren von Kolon, Rektum, Anus oder Blase gestellt. Die Anlage erfolgt entweder protektiv (z.B. zur Schonung einer vulnerablen Anastomose oder bei geplanter neoadjuvanter Radiochemotherapie sowie zum Schutz der Wundheilung z. B. bei Dekubitalulkus) oder definitiv (z.B. bei inoperablem Rektumkarzinom). Die Anlage kann konventionell offen (i.d.R. im Rahmen von Behandlungen der Grunderkrankung) oder laparoskopisch (insbesondere vor definitiven Operationen) erfolgen.
Indikationen sind:
- Rektumkarzinom
- Analkarzinom
- Sigmadivertikulitis
- M. Crohn, Colitis ulcerosa
- Analfisteln, Analabszesse
- Verletzungen (z.B. Pfählungsverletzungen, Beckenfrakturen, iatrogen)
- Analatresie
- Dekubitalulkus
- Neurologische Erkrankungen
- Stuhlinkontinenz
- Entlastungsstoma
- Protektives Stoma
- Rektum-Scheiden-Blasenfistel
- Anastomoseninsuffizienz
Grundsätzlich wird zwischen temporären und permanenten Stomata unterschieden. Die Wahl des Stomatyps richtet sich nach der Grunderkrankung, der geplanten Rekonstruktion sowie der Notwendigkeit einer vollständigen oder teilweisen Ausschaltung der distalen Stuhlpassage.
1. Endständige Stomata
Bei endständigen Stomata wird ein Darmende als einzelnes Stoma ausgeleitet.
Formen:
- Endständiges Ileostoma
- Endständiges Kolostoma
- Hartmann-Stoma (endständiges Kolostoma bei Blindverschluss des distalen Darmabschnitts bzw. Rektumstumpfes)
- Endständige Stomata im Rahmen einer kompletten Prokto-/Kolektomie
Die Wiederherstellung der Darmkontinuität erfordert bei Vorliegen einer Hartmann-Situation regelhaft eine erneute intraabdominelle Operation (Hartmann-II-Operation).
2. Getrennt ausgeleitete Resektionsstomata (Diskontinuitätsstomata)
Nach Darmresektion werden sowohl der zuführende als auch der abführende Darmabschnitt ausgeleitet.
Formen:
a) Split-Stoma
Beide Darmenden werden räumlich getrennt als zwei endständige Stomata ausgeleitet. Hierdurch wird eine vollständige Ausschaltung der distalen Stuhlpassage erreicht.
b) Doppelläufiges Resektionsstoma (Mikulicz- bzw. Double-Barrel-Stoma)
Beide Darmenden werden nach Resektion an ihrer Hinterwand miteinander vernäht und gemeinsam über eine Stomaöffnung ausgeleitet. Die Darmkontinuität bleibt unterbrochen, eine Rückverlagerung ist jedoch häufig einfacher als nach Hartmann-Situation.
c) Modifiziertes Split-Stoma
Variante des doppelläufigen Resektionsstomas, bei der der abführende Schenkel auf Hautniveau blind verschlossen wird. Dadurch wird eine vollständige Ausschaltung der distalen Stuhlpassage erreicht, während die Rückverlagerung in der Regel ohne erneute Laparotomie oder Laparoskopie möglich bleibt.
3. Schlingenstomata (Loop-Stomata)
Eine Darmschlinge wird ohne vollständige Durchtrennung des Darms ausgeleitet und eröffnet. Die Darmkontinuität bleibt erhalten.
Formen:
- Loop-Ileostoma
- Loop-Kolostoma
Loop-Stomata dienen überwiegend der temporären protektiven Stuhlableitung zum Schutz einer distalen Anastomose.
Bemerkungen:
Optimal ist die transrektale Anlage im Unterbauch oberhalb der Linea arcuata. Durch das hier vorhandene bessere muskuläre und fasziale Widerlager soll einer parastomalen Hernie oder einem Prolaps vorgebeugt werden.
Aufgrund der anatomischen Nähe bietet sich für das Transversostoma die Anlage im Oberbauch und für das Ileo- und Sigmoidostoma die Anlage im Unterbauch an.
Sondersituation protektives Stoma bei kolorektalem Karzinom:
Bei der tiefen anterioren Rektumresektion mit TME ist in der Regel ein protektives Stoma indiziert, wobei eine Ileostoma gegenüber einem Kolostoma tendenziell zu bevorzugen ist. Ein Ileostoma ist einfacher und komplikationsärmer zurückzuverlagern. Es treten weniger häufig parastomale Hernien und Stromaprolapse auf. Allerdings tritt beim Kolostoma wesentlich seltener ein Flüssigkeitverlustsyndrom auf, auch die Obstruktionsproblematik nach Rückverlagerung ist seltener.
